Ausführliche Erläuterungen der Sektionsprogramme
www.germanistik2001.de - Deutscher Germanistentag 2001
am 30. September – 3. Oktober in Erlangen
Ausführliche
Sektionsexposés als PDF-Datei (enthät den Text dieser Seite)
Für die Anzeige von PDF-Dateien benötigen Sie
den Adobe-Acrobat-Reader.
Er steht im Internet kostenlos zur Verfügung.
1. Stil(-übungen): Identifikation, Distanzierung,
Repräsentation
2. Entnationalisierung I: Wissenschaftsgeschichtliche
Rekonstruktion und interdisziplinäre Orientierung
3. Entnationalisierung II: Deutsch im Netz der europäischen
Mehrsprachigkeit
4. Virtualisierung I: Von der Gutenberg-Galaxis ins WorldWideWeb
5. Virtualisierung II: Computereinsatz in Forschung, Lehre,
Unterricht
6. Innovation und Fortschritt in der Literatur- und Sprachwissenschaft
7. Prozess versus Produkt
8. Studentische Sektion
Kontaktanschrift
1 Stil(übungen): Identifikation, Distanzierung, Repräsentation
„Zum Grundcharakter des Gesellschaftsethos gehört (...) die Sehnsucht
nach den Masken“. (H.Plessner)
Ein traditionsreicher Wissenschaftsverband beläßt seine
Tagung im Jahre 2001 titellos und nennt statt dessen mit selbstironischer
Geste eine Web-Adresse. Das ‘Eigentliche’ verbirgt sich hinter der Maske
des Zeitgeistes. In dieser Geste heben sich Identifikation, Distanzierung
und Repräsentation auf, die doch zugleich einander bedingen. Die Leerstelle
(ohne Titel) vermeldet Ungewissenheiten, Übergänge, Offenheit
und Hoffnung auf eine prozessuale disziplinäre Kommunikation. Eine
Stilübung kündet unübersehbar einen Stilwandel (in) der
Darstellung einer Wissenschaft an.
Das ist nicht zufällig, denn (Lebens-)Stile - „beobachtbare (Selbst-)
Repräsentationen von Personen, Gruppen und Gesellschaften“ - haben
sich in unserer von Visibilität geprägten Gesellschaft als dynamische
Momente sozialen und kulturellen Wandels erwiesen. Eine derart umfassende
Definition des Gegenstands hat sich vom ursprünglichen rhetorischen
Kontext weit entfernt. Bei aller historischen Distanz und funktionalen
Differenz markierte Stil immer schon eine Schnittfläche zwischen Gesellschaft
und Literatur: als ein Phänomen, das Ästhetisches und Soziales
untrennbar verbindet. Das ist in der Rhetorik, die einen ‘hohen’ von einem
‘niederen’ Stil unterscheidet, nicht anders als bei den ästhetischen
Manifestationen von Jugendkulturen oder -sprachen.
Unter der Prämisse eines ‘weichen’, kulturwissenschaftlich und
-soziologisch erweiterten Stilbegriffs, der die „einheitsstiftende Präsentation“
des ‘Stils’ umfaßt und ihn als „Ergebnis gezielter Handlungen in
Richtung auf eine ‘kulturelle Überhöhung’ des Alltäglichen“
(Soeffner) betrachtet, lassen sich sektorale Problemstellungen aus den
unterschiedlichen germanistischen Fachgebieten (Mediävistik, Linguistik,
Literaturwissenschaft, Didaktik, Medienwissenschaft) zu einer grundsätzlicheren
Leitfrage verbinden. Es geht um jene diskursiven (und nicht-diskursiven)
Elemente, durch deren artifizielle (d.h. regelhafte oder regelwidrige)
Verdichtung auf unterschiedlichen Ebenen (Einzelwerk über Gattungen
und Epochen bis zu Individuen und sozialen Gruppen) auf hoch komplexe Weise
(historische) Kontingenzen bewältigt, Identitäten hergestellt
und soziale Orientierungen geleistet werden. Dazu gehören auch die
EDV-bedingten Gebote und Angebote des ‚Styling’ (Stylesheet etc.).
Erwünscht ist ein breites thematisches Spektrum.
Für die mittelalterliche Literatur und Sprache - bis hin zur Frühen
Neuzeit - ließe sich nach dem Verhältnis von Habitualisierung
und Stil (Körperinszenierungen, Zeichenordnungen, narrative und szenische
Strategien) ebenso fragen wie nach der Rolle des Stils im Kontext von Mündlichkeit
und Schriftlichkeit.
Auf dem Feld der Rhetorik wäre das Verhältnis von hierarchischer
Stillehre und ständischen Identitäten (bis ins 18. Jahrhundert)
von Interesse.
Vom 18. Jahrhundert bis zur frühen Moderne rücken Stil und
Ausdrucksästhetik in einen engen Zusammenhang. Es wäre zu untersuchen,
auf welche Weise Stil soziale Identität ausbilden und dichterische
Singularität markieren hilft.
Von aktuellem Interesse ist der performative Stil in der ‘Postmoderne’,
das ästhetische Spiel mit der Differenz ebenso wie die Historisierung
von ‘Stilen’ und der ironische Umgang mit ihnen. In diesen Zusammenhang
gehören auch neuere didaktische Überlegungen zum Literaturunterricht.
Die linguistischen Dimensionen sind vielfältig. Sie reichen von
der Erforschung von Kommunikationsstilen bis zum Verhältnis von Jugendsprache
und Lebenstil.
In der interkulturellen Germanistik ist die Visibilität des Fremden
ein zentrales Thema. Die andere Kultur (Literatur) könnte im Sinne
der Leitfrage als Lebensstil oder als Aneignung und Transformationen von
Stilen (Kanak-Sprak z.B. definiert sich als urbaner Stil) erforscht werden.
Leitung:
Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal (Duisburg)
PD Dr. Ute v. Bloh (München)
Prof. Dr. Eva Neuland (Wuppertal)
Fritz Tangermann (Berlin)
Zurück zum Seitenanfang
2 Entnationalisierung I: Wissenschaftsgeschichtliche Rekonstruktion
und interdisziplinäre Orientierung
"Ist die Germanistik eine deutsche Wissenschaft?" - Wer kennt sie nicht,
die seit dem Münchner Germanistentag von 1966 wiederholt gestellte
Frage? Sie hat das Bemühen um die Erforschung der Fachgeschichte in
Gang gesetzt und spielte bei der Modernisierung der Disziplin eine entscheidende
Rolle.
Bei dieser grundsätzlichen Neuorientierung ging es um den überfälligen
Bruch mit einer Fachtradition, die in der Verklammerung von Nationalphilologie
und Nationalpädagogik das disziplinäre Profil der Germanistik
bestimmt hatte.
In dieser Sektion soll gefragt werden, inwieweit und auf welchen Ebenen
eine unter diesen Voraussetzungen vollzogene Modernisierung im Fach zur
Entnationalisierung und interdisziplinären Vernetzung geführt
hat. Welche Konsequenzen hatte sie für die Gegenstandsbereiche und
die Formen der Wissenschaftsorganisation? Welche Rolle spielen nationale
Wissenschaftskulturen – für die jeweiligen Germanistiken und für
den internationalen Austausch? Was heißt es für die Germanistik
als Wissenschaft von deutscher Sprache und Literatur, wenn das 'Deutsche'
nicht länger die Fächer Neuere Deutsche Literatur, Mediävistik
und Linguistik integriert? Fällt die Disziplin auseinander? Welche
anderen, welche interdisziplinären Anschlüsse ergeben sich, wenn
sich die Germanistik als Medien- oder als Kulturwissenschaft neu zu profilieren
sucht? Auf welche Weise kann der Deutschunterricht von diesen neuen Orientierungen
profitieren?
Die These von der Germanistik als einer deutschen Wissenschaft ist
in den sechziger Jahren unter spezifischen wissenschaftsgeschichtlichen
und –politischen Voraussetzungen aufgestellt worden und hat einen darüber
vermittelten Traditionszusammenhang des Fachs etabliert, der keineswegs
ohne Widerspruch blieb. Insofern ist eine weitere Überprüfung
dieser These nach mehr als dreißig Jahren geboten. Welche anderen
Traditionen und Konzepte aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert verdeckt
diese These?
Leitung:
Dr. Petra Boden (ZfL Berlin)
Prof. Dr. Friedrich Vollhardt (Gießen)
Dr. Holger Dainat (Magdeburg)
Georg Behütuns (Aschaffenburg)
Zurück zum Seitenanfang
3 Entnationalisierung II: Deutsch im Netz der europäischen
Mehrsprachigkeit
Das Jahr 2001 ist vom Europarat zum ,,Europäischen Jahr der Sprachen"
ausgerufen worden. Es geht um die Sprachen und das Sprachenlernen unter
der Perspektive eines mehrsprachigen Europa. Damit steht auch die Disziplin
der Germanistik in einem neuen Koordinatensystem und Resonanzraum, in einem
komplexen Aufgaben- und Wirkzusammenhang. Deutsche Sprache, Literatur und
Kultur sind wissenschaftlich jenseits jeglicher nationaler Borniertheit
zu behandeln - und zugleich als historisch-gesellschaftliche Ressource
und Praxis zu nutzen und weiter zu entfalten.
Soll nicht tendenziell ein Absinken der Germanistik zum Luxus einer
Altphilologie im Konzert der Philologien das politisch(-ökonomische)
Ergebnis dieser neuen Konstellation in der Wissenschafts- und Praxislandschaft
werden, so sind Gegenstandsverständnis, Theoriebildung und Methodologie
auf ihre Tauglichkeit für eine entnationalisierte, historisch-gesellschaftlich
verantwortliche Germanistik zu überprüfen.
Abstrakte, formalistische und verdinglichende Auffassungen von alltäglicher,
institutioneller oder literarischer Sprache dürften kaum den Herausforderungen
gewachsen sein - jedenfalls ließe sich darüber streiten. Geheime
oder offene Ethnozentrismen auch in scheinbar ideologiefreien Bereichen
wie der Grammatik - man denke an die lateinisch-griechischen Präsuppositionsbestände
- dürften gegenüber einer grundsätzlich offenen, auf die
Lösungsformen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften hin vergleichend
angelegten Konzeption im Nachteil sein. Nicht zuletzt bildet die Weitergabe
und Diskussion wissenschaftlicher Erkenntnisse angesichts der ausgreifenden
(aufs Englische verpflichteten) Monolingualisierung eine unmittelbare Herausforderung
an eine Komparatistik der Wissenschaftssprachen.
Die Vielfalt der konkreten sprachlichen Kommunikation und ihrer medialen
Bedingungen, die Ausbildung, Veränderung und Neuprägung wie Bewahrung
von Sprache mit der Zeit und im Kontakt sind relativ zu den Entwicklungen
in anderen Sprachgemeinschaften zu diskutieren. Die Bedingungen der deutschen
Sprache und Wissenschaft vom Deutschen innerhalb und außerhalb der
Sprachgrenzen, kurz: diejenigen von Inlands- und Auslandsgermanistik/ Études
germaniques/ German Studies etc. bilden einen eigenen Gegenstand lohnender
Auseinandersetzung - für die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung
ebenso wie für die Perspektiven und Einsichten in die Gegenstände
der Disziplin.
All dies hat generationenübergeifend seine Voraussetzungen und
Konsequenzen in der schulischen Ausbildung von Sprachvermögen und
Sprachbewußtsein, von Erziehung zur Mehrsprachigkeit und Interkulturalität.
Leitung:
Prof. Dr. Angelika Redder (München)
Prof. Dr. Hartmut Kugler (Erlangen)
Prof. Dr. Roland Duhamel (Brüssel)
Dr. Rainer von Kügelgen (Hamburg)
Zurück zum Seitenanfang
4 Virtualisierung I: Von der Gutenberg-Galaxis ins
WorldWideWeb
Wie verändern sich Sprache und Literatur mit den neuen Medien, speziell
mit den neuen Computermedien? - Die sogenannte „Gutenberg-Galaxis“ hat
schon mit den klassischen elektronischen Medien Radio und Fernsehen gewichtige
Veränderungen erlebt, die vielleicht am besten mit den beiden Tendenzen
zu „sekundärer Oralität“ (Ong) und einem „Primat der Bildkommunikation“
beschrieben sind. Mit dem raschen Siegeszug des PCs ist das gesamte Mediengefüge
noch einmal in Bewegung und wird neu arrangiert, zugleich wird die jeweilige
Spezifik der einzelnen Medien, Printmedien und elektronischen Medien verschiedener
Art, allmählich deutlicher.
In dieser Sektion sollen einige Aspekte der neuen medialen Situation,
in der sich Sprache und Literatur bewegen, reflektiert werden, entlang
von Fragen wie:
-
Sind die Printmedien auf dem Rückzug oder erhalten sie womöglich
durch die Besinnung auf ihre Spezifika bei gleichzeitig gewachsener Bedeutung
von Medien überhaupt und neuen Verbreitungsmöglichkeiten sogar
neue Impulse?
-
Wie kann man die Spezifika der neuen Medien im Kontrast zu den bisherigen
fassen? Dabei sind wirklich medienspezifische Merkmale von solchen typischen
Textsorten, Stile, Gruppenvarietäten usw., die sich nur verstärkt
solcher Medien bedienen, zu unterscheiden. Wichtige Stichworte für
solche Merkmale sind z.B.:
-
Interaktivität (vs. Interaktionalität),
-
Virtualität (mit gesteigerter Flüchtigkeit, Flexibilität,
Manipulierbarkeit, Verfügbarkeit, Fingierbarkeit von Zeichen)
-
Digitalität (mit einem hohen Integrationspotential für verschiedene
Zeichensysteme, manchmal Multimedialität oder Multimodalität
genannt),
-
Vernetzung (mit der Aufhebung der Trennung von öffentlich-ausstrahlenden
und privaten-dialogischen Medien)
-
Entlinearisierung (Hypertexte mit Vorteilen und Nachteilen des Zugriffs,
der Gliederung, der Informationsmenge, der Kohärenz usw.)
-
Wie stellt sich das Verhältnis der verschiedenen Zeichensysteme (Laute,
Schrift, Graphik, Bilder, Töne, Musik etc.) zueinander in neuen Medien
(im Vergleich zu anderen) dar?
-
Wie können die unterschiedlichen Kommunikationsformen der neuen Medien
im Kontrast zu alten Medien, aber auch in der Abgrenzung gegeneinander
charakterisiert werden: E-mail (dialogisch), Newsgroups und Homepages (ausstrahlend/interaktiv),
Chats (synchron-interaktiv)?
-
Wie werden die neuen Medien für neue Formen ästhetischer/literarischer
Kommunikation genutzt?
-
Wie sind die neuen Medien in historischer Perspektive zu sehen? Was ist
Altes in neuen, Neues in alten Medien?
Leitung:
Prof. Dr. Werner Holly (Chemnitz)
Prof. Dr. Hans-Jürgen Bachorski (Potsdam)
Prof. Dr. Ulrich Schmitz (Essen)
Rainer Geerdzen (Heide)
Zurück zum Seitenanfang
5 Virtualisierung II: Computereinsatz in Forschung, Lehre,
Unterricht
‚Virtuelle Universitäten‘, Lehrerfortbildung per Internet, Schulen
ans Netz – die Virtualisierung des Lehrmediums ist bisher vor allem in
den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern fortgeschritten. Wie
und wieweit sich auch in unserem Fach ‚virtuell‘ arbeiten läßt,
und wie sinnvoll das sein kann, ist bislang nicht abzuschätzen. Zu
erproben und zu erörtern ist, ob sich mit der Virtualisierung Struktur
und Substanz des Faches verändern, ob etwa aus der Sprachwissenschaft
eine Linguatronik, aus der Literaturwissenschaft eine Literatronik werden
kann und soll, sowie welche Möglichkeiten sich für den Deutschunterricht
eröffnen und wie sich dadurch die Schule verändert.
Akut bedrängend ist zunächst einmal die Überfülle
der Angebote elektronisch gespeicherter Texte, Wörterbücher,
Lexika, Bibliotheken, Bilddateien etc., auch Angebote von Lehr- und Lernsoftware
zu literatur- und sprachwissenschaftlichen Gegenständen für den
Einsatz im Universitäts- wie auch im Schulunterricht.
Die Sektion soll Gelegenheit bieten für Demonstration und Analyse
der verheißenen Innovationen. Die elektronische Speicherung verändert
zweifellos die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. Wichtiger ist
aber, wieweit damit auch neue Fragestellungen, Interpretationsmuster und
Erkenntnisziele aufkommen können. Die Qualität des Materialsammelns
und der Literaturrecherche wird sich auf vielen Feldern ändern. In
einer Kultur des per Internet bereitgestellten Überangebots ist nicht
so sehr das Sammeln von Informationen ein Hauptproblem, eher beweist sich
die wissenschaftliche Qualität in der intelligenten Reduktion, ist
die Fähigkeit des Unterscheidens, des Auswählens und Weglassens
gefragt. Die Herstellung tauglicher Suchprogramme erfordert begriffliche
Hierarchisierungen, Zu- und Unterordnungen, die in die Kompetenz nicht
so sehr der Informatik als vielmehr der Fachwissenschaft gehören.
Das Problem der Fachsystematik und der Kanonbildung stellt sich neu.
Das gilt für alle germanistischen Teilgebiete, für die Alt-
wie die Neugermanistik, für die Sprachwissenschaft wie die Didaktik
wie den Schulunterricht. Zu thematisieren sind unter anderem:
-
digitalisierte Textbestände (Handschriften, auch illustrierte, auf
CD-Rom und im Internet; historische Textsammlungen, z.B. Corpus Christianorum
und Patrologia Latina), Datenbanken wie die geplante „Handschriftendatenbank“
der DFG, digitalisierte Wörterbücher und ‚halbfabrikate‘ Übersetzungen
(Textbausteine, idiomatische Wendungen etc.)
-
Programmdienste für Literatursuche und Literaturkritik, computergestütze
Textanalyse (Untersuchungen zur Metrik, Stilistik, Motivik etc. an digitalisierten
Texten), Lehr- und Lernsoftware (elektronisch verfügbare Kursprogramme
über Grundzüge der Lyrik, des Romans, etc.; Stichwort e-learning)
-
mögliche Auswirkungen im Alltag von Forschung, und Lehre und Unterricht
(z.B. ‚Virtuelle Forschergruppen‘; kooperatives Schreiben; multimediale
Referate, Hausarbeiten und Klausuren; ihre Anfertigung und Korrektur per
e-mail).
Leitung:
Prof. Dr. Hartmut Kugler (Erlangen)
Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal (Duisburg)
Prof. Dr. Georg Braungart, (Regensburg)
Andreas Borrmann (Rendsburg)
Zurück zum Seitenanfang
6 Innovation und Fortschritt in der Literatur- und Sprachwissenschaft
In den meisten Förderprogrammen, in wissenschaftlichen Gutachten oder
bei Preisverleihungen ist ganz selbstverständlich von innovativen
Leistungen und dem Zuwachs an Wissen die Rede, die ein einzelner oder eine
Forschergruppe erbracht haben oder die noch zu erwarten sind. Die Begriffe
Innovation und Fortschritt gehören zu unserem alltäglichen Sprachgebrauch.
Wo Eigenwerbung im Spiel ist, wird in der Regel nicht darüber nachgedacht,
was unter den Begriffen genau zu verstehen ist und was ein finanzierungswürdiges
Projekt vor dem anderen auszeichnet.
Woher nehmen wir die Kriterien, um produktive von nichtproduktiven
Innovationen oder bloßem ‚Theoriedesign‘ zu unterscheiden? Gibt es
institutionelle Strukturen, die einen ‚Innovationsdruck‘ erzeugen? Wie
unterscheiden wir Arbeiten, durch die neue Ergebnisse und Erkenntnisse
erzielt werden, von einer in der Routineforschung eingetretenen Stagnation
oder den Rückschritten, die durch das Vergessen bereits vorhandenen
Wissens entstehen? Gibt es Maßstäbe, die uns solchen Unterscheidungen
näherbringen? Wie läßt sich für ihre Empfehlung argumentieren
und ist es überhaupt wünschenswert, sich über sie zu verständigen?
In diesem Problemfeld scheint sich am ehesten die Wissenschaftstheorie
als kompetenter Ratgeber zu empfehlen. Die Metadisziplin hat diese Fragen
jedoch vornehmlich am Beispiel der naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen
untersucht und ihre Antworten so allgemein konzipiert, daß sie kaum
auf die Literatur- und Sprachwissenschaften zu übertragen sind. Die
Referenten in der Sektion 6 des Germanistentages sind also auch hier aufgefordert,
‚Neuland‘ zu betreten.
Leitung:
Prof. Dr. Friedrich Vollhardt (Gießen)
PD Dr. Ute von Bloh (München)
Prof. Dr. Lutz Danneberg (HU Berlin)
Erhard Hönes (Stuttgart)
Zurück zum Seitenanfang
7 Prozess- versus Produktorientierung
Lange Zeit waren sowohl in vielen Forschungsdisziplinen als auch bei der
Wissensvermittlung Produkte (Arbeitsergebnisse) im Fokus der Aufmerksamkeit.
Zunehmend wird diese Orientierung im Hinblick auf Entwicklungs-, Bearbeitungs-
und Verarbeitungsprozesse erweitert. Dies ist in verschiedenen Teilbereichen
zu beobachten:
-
So werden z. B. in der Schreibforschung und im Lernbereich Schreiben nicht
mehr nur endgültige Texte thematisiert, untersucht und bewertet, sondern
auch Entwurfs- und Überarbeitungsprozesse. Letztere werden im Deutschunterricht
systematisch und kategorial angeleitet (Schreibkonferenzen, Arbeitsprozessberichte).
-
Filme oder Fernsehbeiträge werden nicht nur im Rahmen von Produktanalysen
betrachtet, sondern eingebettet in den komplexen Medienkommunikationsprozess
von der Herstellung bis zur Rezeption („Mehrebenen-Analysen“). Neben Analysen
bilden im Projektunterricht auch Entwurfs- und Herstellungsprozesse einen
Schwerpunkt der deutschunterrichtlichen Arbeit (Drehbuch, treatment, sendefähiger
Beitrag).
-
Im Hinblick auf grammatisches Wissen wird die Entwicklung von Sprachbewussheit
beobachtet. Abfragbares grammatisches Wissen wird im Sinne des integrativen
Grammatikunterrichts als Grundlage für den Lernbereich Reflexion über
Sprache gesehen.
-
Literaturunterricht zielt schon lange nicht mehr auf "die eine Interpretation",
sondern z. B. auf den Vergleich verschiedener Lesarten einer oder mehrerer
Personen und auf individualisiertes Lernen im literarischen Bereich (Lesejournal,
literarische Gesprächsdidaktik) sowie auf Lesesozialisationsprozesse.
Mögliche Diskussionspunkte ergeben sich durch die Fragen: In welchen
Bereichen muss eine Prozessperspektive noch entwickelt werden? Inwiefern
sind Vernetzungen von Prozessen verschiedener Arbeitsschwerpunkte feststellbar
bzw. herauszuarbeiten? Gibt es Zusammenhänge, in denen es sinnvoll
ist, sich auf Produkt- oder Prozessbeobachtung zu beschränken? In
welchem Zusammenhang stehen Produkt- und Prozessorientierung didaktisch?
Es wäre schön, wenn sich in dieser Sektion „Vortragstandems“
aus Hochschule und Schule zu einzelnen Themenbereichen ergeben würden.
Eine solche Struktur hat sich auf Fachkonferenzen bewährt und für
beide Seiten als fruchtbar herausgestellt.
Leitung:
Dr. Anne Berkemeier (Wuppertal)
Prof. Dr. Werner Holly (Chemnitz)
Prof. Dr. Bettina Hurrelmann (Köln)
Almut Hoppe (Kronshagen)
Zurück zum Seitenanfang
8 Studentische Sektion
Studienrealität und Berufserwartung von Germanisten in Zeiten des
Internet.
Die ‚digitale Zukunft’ wird bisher von den technischen Fächern,
von der Mathematik, der Informatik definiert und ausgestaltet. Philologen,
Literatur- und Sprachwissenschaftler, die sich auf EDV-Projekte einlassen,
sind da oft nur als nachgeordnete ‚Hilfskräfte’ in den übergeordneten
technikwissenschaftlichen Zusammenhängen gefragt. Auf mittlere Sicht
sollte diese Ausrichtung eigentlich (auch) umkehrbar sein. Wie dies gelingen
kann, soll hier diskutiert werden. Den meisten Studierenden der Germanistik
sind ästhetische Probleme wichtiger als technische, die Priorität
soll erhalten bleiben – bei Ausnutzung aller Chancen, die die neuen technischen
Möglichkeiten als Hilfsmittel anbieten.
Ansprechpartner:
Britta Steinhauer stud. phil. (Erlangen)
Anmeldung bitte an den
Deutschen Germanistenverband
Prof. Dr. Hartmut Kugler
Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Germanistik
Bismarckstr. 1, D-91054 Erlangen
Tel./Fax : 09131/85-22418, -22186
E-Mail: buero@germanistenverband.de
Zurück zum Seitenanfang
Zur Homepage des Deutschen
Germanistenverbandes
Letzte Aktualisierung 14.2.2000 (Dimpel)