Elektronisch gespeicherte Texte, Wörterbücher, Lexika, Bibliotheken, Handschriften, Bilddateien, Lehr- und Lernsoftware: Welche neuen Wissenschaftsformen, Fragestellungen, Interpretationsmuster und Erkenntnisziele werden durch die EDV ermöglicht?
Die Sektion enthält drei Untergruppen: Edition/Publikation, Fachkommunikation, Internetprojekte im Deutschunterricht.
Leitung: Hartmut Kugler (Erlangen), Klaus-Michael Bogdal (Duisburg), Georg Braungart, (Regensburg), Andreas Borrmann (Rendsburg)
Chairs: Helmut Birkhan (Österreich), Anke Bosse (Belgien), Victor Millet (Spanien), René Pérennec (Frankreich)
Obwohl inzwischen eine ganze Reihe bequemer Editoren existieren, sind die Möglichkeiten des Programmes TUSTEP als philologisch fundierter Software für Editionen und sonstige philologische Projekte, die über das Schreiben eines Textblocks hinausgehen, nach wie vor von Bedeutung. TUSTEP wurde für Forschungsvorhaben entwickelt, bei denen Texte nicht nur Ergebnis, sondern auch Gegenstand der Untersuchung sind und begegnet diesem Anspruch mit einer Vielzahl von Unterprogrammen z.B. für Textvergleiche, Erstellung von Wortformenlisten, hierarchischen Registern und kritischen Apparaten. Es hat jedoch keine graphische Benutzeroberfläche und liegt daher strukturell näher an der Maschinensyntax des Computers als andere Textverarbeitungsprogramme, so daß auch der Philologe der Tatsache Rechnung tragen muß, daß ein Computer eigentlich keine Schreib- sondern eine Rechenmaschine ist.
(Mo, 10.00 Uhr, Programmplatz 5Aa)
Wissenschaftlichen Editionen lastet der Ruf an, mit zunehmendem Detailreichtum und Informationsgehalt immer schwerer zugänglich zu sein. Als ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma werden Digitale Editionen vorgeschlagen. Da der Computer nicht so einfach zu bedienen ist wie ein Buch, gleichzeitig aber ein wesentlich größeres Funktionspotential besitzt, muß die Digitale Edition als ein benutzerzentriertes Medium verstanden werden. Dieser Aspekt, ebenso wie die Frage nach den Interessen der Editionsbenutzer, werden in der Fachliteratur meist nur am Rande erwähnt und dem Primat des Inhalts, des Textes untergeordnet. Zentrale Fragen meines Referats sind daher die nach der Benutzbarkeit, der Benutzerfreundlichkeit, und der Nützlichkeit von computer-basierten Editionen.
(Mo, 11.00 Uhr, Programmplatz 5Ba)
Das Deutsche Wörterbuch (=DWB) von Jacob und Wilhelm Grimm ist bis heute das prominenteste Unternehmen der deutschen wissenschaftlichen Lexikographie. Dieses für Forschung und Lehre wichtige Grundlagenwerk wird im Rahmen eines DFG-Projekts seit November 1998 an der Universität Trier mit dem Ziel seiner Veröffentlichung auf CD-ROM und im Internet elektronisch aufbereitet.
Einem einführenden Abriß des Wegs vom Druckwerk zum digitalen Wörterbuch folgt die Präsentation eines Prototyps der CD-ROM-Version des DWB. Durch die an internationalen Standards orientierte Aufbereitung (SGML/XML nach TEI-Richtlinien) des Wörterbuchinhalts werden neue Wege der Wörterbuchbenutzung eröffnet, die über reine Volltextsuche weit hinaus gehen und außer einer komfortablen Navigation im Wörterbuch komplexe Recherchen nach verschiedenen Aspekten ermöglichen.
(Mo, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Ca)
Allgemeinsprachliche oder zur Allgemeinsprache hin offene historische Bedeutungswörterbücher, wie z. B. das Deutsche Rechtswörterbuch und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch, bieten einen breiten Zugriff auf das sprachlich verfaßte kulturelle Wissen einer Gesellschaft. Die Arbeitsgruppe HDHS (Heidelberger Hypertext-Server) nutzt die digitalisierten Versionen dieser beiden Wörterbücher deshalb als Grundlage für ein internetbasiertes Informationssystem zur mitteleuropäischen Kulturtradition. Dazu werden die lexikographischen Informationen zum einen direkt mit den verfügbaren Digitalisaten der Quellentexte sowie weiteren im Netz vorhandenen kulturgeschichtlich relevanten Ressourcen verbunden. Zum anderen werden die Quellentexte nach kommunikationshistorischen Gesichtspunkten wie Raum, Zeit, Textsorte klassifiziert; Verweißstrukturen zwischen diesen metatextlichen Informationen und einzelnen Informationspositionen der Wörterbücher werden erprobt. Wörterbücher werden auf diese Weise zu einer Schnittstelle für effektive und vielseitige kulturhistorische Recherchen im Internet.
(Mo, 16.40 Uhr, Programmplatz 5Da)
Die Erlanger Liste Germanistik im Internet (www.erlangerliste.uni-erlangen.de) besteht seit dem Herbst 1995. Ihr Ziel ist die Erschließung von im World Wide Web bereitgestellten Ressourcen für die germanistische Literatur- aber auch Sprachwissenschaft. Im Referat werden das bisher verfolgte Konzept, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten vorgestellt.
(Di, 10.00 Uhr, Programmplatz 5Ea)
In einem ersten Teil des Beitrags werden Ergebnisse einer Umfrageaktion unter Studierenden der Germanistik an der RWTH Aachen präsentiert (welche Bedeutung messen Studierende speziell der Germanistischen Mediävistik dem Internet für die Bewältigung ihrer Studienanforderungen bei?)
In einem zweiten Teil sollen die eher fatalen Folgen des WWW auf die Qualität von schriftlichen Hausarbeiten und Examensarbeiten herausgestellt werden (insbesondere ist die ‚Wissenschaftlichkeit' unseres Faches betroffen).
In einem dritten Teil soll exemplarisch demonstriert werden, was das WWW leistet, wenn sich ein Studierender der Germanistischen Mediävistik auf ein Seminar zu Gottfrieds von Straßburg Tristan vorzubereiten gedenkt.
(Di, 11.00 Uhr, Programmplatz 5Fa)
In einem Pilotprojekt an der Universität Hamburg werden Möglichkeiten zur Information und Kommunikation im Internet für kooperative Arbeitsformen erprobt. Auf der Grundlage eines geisteswissenschaftsspezifisch modellierten ‚Content-Management-Systems' (CMS)/ Redaktionssystems sollen Bereiche für die Außen-Präsentation und für die interne Kommunikation angelegt werden. Hierfür vorgesehen sind (durch abgestufte Benutzerrechte unterschiedene) Foren, die sich in beweglicher Weise verschränken lassen. Die internen und externen Foren schließen sich zu einem (projektspezifischen) Internet-Portal zusammen. Es zeichnet sich gegenüber den herkömmlichen Web-Sites dadurch aus, daß die Zuordnung der Teilbereiche je nach Arbeitsziel durch einfache Operationen zu modifizieren ist, und daß die Benutzer, ohne über HTML-Kenntnisse verfügen zu müssen, ‚Inhalte' in das Portal einstellen und verändern können.
(Di, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Ga)
Leitung: Georg Braungart (Regensburg)
(Di, 14.00-16.00Uhr, Programmplatz 5Ha)
Der Unterricht in der Muttersprache, mit seinen vielfältigen methodisch-didaktischen Arbeitsformen, bietet ideale Voraussetzungen für interdisziplinäre Ansätze.
Moderner, motivierender Unterricht mit dem Ziel möglichst nachhaltigen, selbstgesteuerten Wissenserwerbs kann die Möglichkeiten, die die Neuen Medien bieten, im Sinne kompetenzentwickelnden Lehrens und Lernens nutzen:
Digitale Text- und Bildverarbeitung: Schulaufgabe am PC
Kreatives Schreiben
Präsentation auf CD-ROM: Th. Storms Der Schimmelreiter
E-Mail-Projekt im Literaturunterricht
(Mo, 11.00 Uhr, Programmplatz 5Bb)
Medienanalyse und Medienkritik sind ein zentrale Themen des Deutschunterrichts. Demzufolge wird das Internet zunehmend auch im Deutschunterricht zum Unterrichtsgegenstand oder Arbeitsmittel. Der Beitrag soll Möglichkeiten der kritischen Auseinandersetzung mit diesem neuen Medium beschreiben und praktische Lösungsmöglichkeiten bei der Überwindung technischer Schwierigkeiten im unterrichtlichen Bereich aufzeigen. Ein Schwerpunkt der Darstellung wird der Bericht über bereits realisierte Unterrichtsmodelle sein. Diese zeigen besonders über verschiedene Varianten des Medienvergleichs einen Weg zur kritischen Analyse der internetspezifischen Sprach- und Kommunikationsformen. Gleichzeitig bieten sie eine Alternative zum rechnergestützten Unterricht und eröffnen auch den DeutschlehrerInnen Chancen, die keinen regelmäßigen Zugang zu den Computerräumen haben.
(Mo, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Cb)
Ist es für Schüler - literarisch - sinnvoll, eine solche Site zu bauen? Interessiert dies jemanden außerhalb der eigenen Schule? Welche Autorinnen oder Autoren eignen sich: die bekannten, die alten, die lokalen? Sollen historische Dokumente (Texte, Fotos, Interviews) hinein, wenn es doch z. B. das Gutenberg-Projekt gibt? Wie lassen sich die traditionellen Methoden des Deutschunterrichtes aktivieren und mit dem neuen Medium verbinden? In welchem Verhältnis sollen präsentierende, interpretierende und kreative (produktive) Texte stehen? Verliert die Site etwas Wesentliches, wenn eine dieser drei Seiten wegfällt? - Dies waren entscheidende Fragen beim Schreiben und Arrangieren der Dehmel-Site, die ein sehr freundliches Publikum auch außerhalb Hamburgs fand. Schüler von der 5. bis zur 13. Klasse, auch Ehemalige, Lehrer und einige andere Experten arbei(te)ten an ihr mit.
(Di, 10.00 Uhr, Programmplatz 5Eb)
‚Multimediale Erfahrungs- und Handlungsräume' bilden das mediendidaktische Kernstück einer innovativen neuen Software für den Deutschunterricht auf der Basis von CD-ROM bzw. Internet. Diese eröffnet Schüler(inne)n vollkommen neuartige Möglichkeiten zur phantasievollen eigenständigen Begegnung mit Literatur und Sprache. Konstruktivistische Prinzipien gehen dabei eine fruchtbare Synthese mit handelnd-produktiven respektive kreativitäts- und identitätsorientierten didaktischen Zielsetzungen ein. Die Schüler(innen) rücken konsequent in das Zentrum aller Lernprozesse. Der Vortrag möchte in die Theorie und Praxis dieser multimedialen Erfahrungs- und Handlungsräume einführen und die Möglichkeiten und Probleme einer Nutzung im Rahmen medienintegrativen Deutschunterrichts diskutieren.
(Di, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Gb)
Möglichkeit zu einer längst notwendigen Veränderung der Lernkultur
Impulsreferat: Andreas Borrmann (Rendsburg)
(Di, 15.00 Uhr, Programmplatz 5Hbx)
Wesentlicher Teil des kulturellen Gedächtnisses menschlicher Gemeinschaften ist die schriftliche Überlieferung. Sie zu erfassen, zu sichern und dem gesellschaftlichen Lernprozeß verfügbar zu machen ist unverzichtbare Aufgabe der Geisteswissenschaften. Die Erfassung des Bestandes mittelalterlicher Handschriften in Deutschland wird seit 1960 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. In über 80 Bänden sind wichtige Bestände in mustergültiger Form wissenschaftlich erschlossen worden, eine Leistung, die seit langem die international höchste Anerkennung erfährt. Im Herbst 2000 sind "Neue Konzepte der Handschriftenerschließung" vorgestellt und zunächst intern diskutiert worden, die einerseits für die Beibehaltung der bisherigen Erschließungspraxis plädieren, andererseits auf die Bereitstellung umfassender und teilweise netzgestützter Informationssysteme zur Erforschung des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zielen. Sie in den für die germanistische Forschung relevanten Zielen vorzustellen, ist Gegenstand des Referats.
(Mi, 10.00 Uhr, Programmplatz 5Ia)
Die Einführung und Vermittlung literaturwissenschaftlicher Terminologie im Grundstudium ist aus fachlichen Gründen ebenso wünschenswert wie problematisch, nicht zuletzt deshalb, weil diese Termini meist mit theoretischen Vorannahmen verknüpft, mit ihren historischen Gegenständen verbunden und aufeinander bezogen sind.
Das Online-Basislexikon, das hier vorgestellt wird, trägt dieser Problematik Rechnung, indem die einzelnen Terminus-Einführungen die Vorannahmen und Gegenstandsbezüge offenlegen und in einen strukturierten Ko-Text anderer Einführungen eingebunden sind.
Dies wird auf Basis einer Datenbankstruktur mit einer aufliegenden Hypertextstruktur realisiert, die den Studierenden im WWW als komplexer und verschiedene Zugriffsweisen erlaubender Hypertext zugänglich gemacht wird.
(Mi, 11.00 Uhr, Programmplatz 5Ja)
Teilziel und Grundlage des Forschungsprojekts ist die Erarbeitung eines digital zugänglichen Korpus früher Titelblätter, das eine Auswertung z.B. anhand chronologischer, länder- oder druckerspezifischer Listen ermöglicht. Zur technischen Umsetzung dient das Datenbanksystem HiDA3 (Hierarchischer Dokument-Administrator). HiDA ist eine Kombination aus einer relationalen und hierarchischen Datenbank, auf deren Basis Inventarisation und wissenschaftliche Katalogisierung einschließlich der Einbindung von Abbildungsmaterial möglich ist. In dem Referat werden der Prozeß von der Projektidee über die Erarbeitung der Definition des Titelblatts sowie der Erfassungskriterien, das Zusammentragen der Informationen bis zum Aufbau der Datenbank und daran anschließend die Nutzungsmöglichkeiten unter Darstellung der vorliegenden Ergebnisse des Forschungsprojekts angerissen werden.
(Mi, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Ka)
Gegenüber traditionellen literarischen wie historischen Archiven verfügt eine Online-Datenbank zweifellos über den Vorteil der immensen Informationsbeschleunigung. Die Verknüpfung durch den (Hyper-)Link erlaubt es, von einer nahezu simultanen Verfügbarkeit aller Dokumente zu sprechen. Doch kann dieser Beschleunigungsvorteil durch den Verlust der Orientierung zunichte gemacht werden. Wichtiges Orientierungsinstrument in Online-Datenbanken sind daher neben den üblichen, auf den gesamten Bestand zugreifenden Suchformularen graphische Oberflächen, die geeignete Metaphern für die im Vergleich mit sukzessiv-linear zu konsultierenden Archiven elektronische ‚Simultaneität' präsentieren. Am konkreten Modell eines im Aufbau befindlichen Online-Archivs zur Klassischen Moderne soll beschrieben werden, wie das einzelne Dokument aus der ‚Zweidimensionalität' des Bildschirms durch Querverweise auf andere Dokumente in einen ‚virtuell' räumlichen Zusammenhang gestellt wird und der Wechsel zwischen historisch synchron wie diachron anschließenden Verknüpfungen zugleich den Übergang in parallele historische Erzählungen bedeutet kann.
(Mi, 11.00 Uhr, Programmplatz 5Jb)
Anhand konkreter informationstechnisch-kunstwissenschaftlicher Forschungs- und Entwicklungsarbeit thematisiert der Vortrag die Veränderung von Wissensordnungen durch das Aufkommen eines neuen Mediums, des Computers.
Es werden neue Sehweisen und Diskurstypen an einem hypermedialen Bild-Text-Videoarchiv vorgeführt und Schlüsse für das Verhältnis von Text und Technik gezogen.
(Mi, 11.40 Uhr, Programmplatz 5Kb)