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Bettina
Hurrelmann (Köln):
„Wissen sie, was sie tun? Prozeßorientierung und Methodenbewußtsein im
Literaturunterricht“
Mo, 9.00 Uhr s.t., KH 2.011
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Konrad Ehlich
(München):
„Postnationale Perspektiven für nationale Sprachen.“
Mo, 14.00 Uhr s.t., KH 2.011
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Michael Werner (Paris):
„Nationalphilologie und Komparatistik. Historisch-methodische Überlegungen zum
Problem des Vergleichs in der Literaturwissenschaft“
Di, 9.00 Uhr s.t., KH 2.011
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Jan Dirk Müller (München):
„Gibt es einen Fortschritt in den Literaturwissenschaften?“
Mi, 9.00 Uhr s.t., KH 2.011
Nach Einschätzung der gegenwärtigen Leseforschung werden im
Zuge der Entwicklung der Mediengesellschaft analytisch-kritische und
produktiv-verarbeitende Dimensionen der Lesekompetenz immer wichtiger. Dazu
trägt nicht nur die Repräsentanz von Literatur in anderen Medien bei, die mehr
und mehr die Funktionen von ästhetischer Erfahrung, kulturellem Gedächtnis,
Genuss und Entlastung, die zuvor der Literatur zugeschrieben wurden, mit
übernehmen. Auch die immer häufiger
werdenden Mischformen zwischen Informations- und literarischen Angeboten mit
ihren verschwimmenden Übergängen zwischen Non-Fiction und Fiction, machen es
nötig, dass die Rezipienten wissen was sie tun, wenn sie sich Medienangeboten
zuwenden.
Es wird gefragt, welche Konzepte die Literaturdidaktik für
diese Problematik anbieten kann. Längst hat sie die Vorstellung vom einzig
richtigen Textverständnis verabschiedet und Prozessorientierung auf ihre Fahnen
geschrieben - aber zwischen den verstehens- bzw. subjekttheoretischen Prämissen
der handlungs- und produktionsorientierten Didaktik und der neueren Didaktik im
Zeichen poststrukturalistischer Literaturtheorien klaffen Welten, was an den sich
ähnelnden Verfahrensweisen, die oft für den Literaturunterricht vorgeschlagen
werden, wenig zu erkennen ist.
Daraus ergibt sich die Forderung an die Literaturdidaktik,
die aller Prozessorientierung letztlich zugrundeliegenden
Kompetenzvorstellungen (mitsamt ihren normativen Implikationen) für die
Lehrenden deutlicher als bisher zur Diskussion zu stellen. Zweitens ergibt sich
die Forderung, angesichts der Theorienkonkurrenz das Methodenbewusstsein der
Lernenden zu stärken, damit sie wissen, nach welchen Regeln der
Literaturunterricht sie in welche Prozesse verwickelt. Texttheorien und
-methoden, die sich für die Lernenden selbst kaum durchsichtig machen lassen,
erscheinen unter der Perspektive der Entwicklung einer kritisch-analytischen
und produktiv-verarbeitenden Kompetenz jedenfalls als problematisch.
Sie sind zumindest eine Herausforderung an die Didaktik, ein
Prozesskonzept zu entwickeln für den Erwerb theoretisch-methodischer
Reflexionsfähigkeiten auf Seiten der Lernenden. Unter Umständen lässt sich die
Theorienkonkurrenz in eine prozessuale Struktur des Erwerbs literarischer
Rezeptionskompetenzen bringen, in ein lebensgeschichtlich-dialogisches
Verhältnis - wie an Lesebiographien empirisch zu prüfen wäre.
Viele der über 70 Sprachen in Europa haben in den vergangenen zwei Jahrhunderten ihren Stellenwert dadurch gewonnen, daß sie eine enge Verbindung mit dem „Projekt Nation“ eingingen. Als National-, Staats- oder Amtssprachen erlangten sie einen offiziellen Status, der sie gegenüber anderen Sprachen auszeichnete und rechts- und bildungspolitisch absicherte. So fast zu einer Selbstverständlichkeit für die Sprecher und Sprecherinnen geworden, finden sie sich heute sowohl durch die europäischen Einigungsprozesse wie durch die sogenannte „Globalisierung“ plötzlich grundlegend in Frage gestellt. Gibt es für nationale Sprachen Zukunftsmöglichkeiten jenseits der – vielleicht fatalen – Allianz mit dem Nationen-Konzept, oder entsprechen ihre Zukunftsaussichten ziemlich genau Schicksal, das sie bei ihrer Durchsetzung den „Dialekten“ der vornationalen Zeit bereiteten? Sind sie schließlich gar vollends obsolet, so daß sie – samt der in ihnen verfaßten ,,Nationalliteraturen“ –günstigstenfalls noch das archivarisch-historisierende Interesse eines neuen alexandrinischen Zeitalters finden?
Im internationalen Vergleich gilt die Germanistik als ein Fach, das sich komparatistischen Perspektiven gegenüber nur wenig geöffnet hat. Während die Philologie als Interpretations- und Kommentarwissenschaft zwar intern komparative Verfahren benützte, ging es ihr in der Regel um die Einzigartigkeit von Texten, Werken, Entwicklungen. Aber auch die vergleichende Literaturwissenschaft, die in Europa historisch zur selben Zeit wie die Nationalphilologien entstanden ist, blieb weitgehend in nationalen Sichtweisen und Kategorisierungen befangen. Im Vortrag sollen eine disziplingeschichtliche Rückschau mit den derzeitigen Methodendiskussionen um die Rolle der Germanistik als einer historischen Kulturwissenschaft verbunden werden.