Eine Kooperation der Universität Erlangen und des Deutschen Germanistenverbandes mit dem Kultur- und Freizeitamt und der Volkshochschule der Stadt Erlangen
Weil Wörter wie Wurzelgeflechte ihre Fasern in die Sprache ausstrecken, ist der Auftakt des Germanistentages in Erlangen drei Schriftstellern gewidmet, die nicht zuletzt auch einen Sinn für das Besondere und Nützliche von Netzwerken an den Tag legen:
Burkhard Spinnen und Juli Zeh lesen aus aktuellen Texten und diskutieren über das Schreiben und das Lesen.
Georg Klein liest aus der Detektivgeschichte „Barbar Rosa“, 2001 im Alexander Fest Verlag Berlin erschienen. Es moderiert Stephan Willer, Literaturwissenschaftler an der Universität Münster.
Juli Zeh (27), Juristin und
diplomierte Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, hat im Juli
2001 ihren ersten Roman veröffentlicht: „Adler und Engel“, 448 Seiten stark und
bei Schöffling & Co erschienen – ein furioses Debüt, über die Zeit nach dem
Zusammenbruch der Ideologien, rasant und zeitgemäß erzählt, begeistert
aufgenommen von der Kritik.
Burkhard Spinnen (45) lebt in Münster als
Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. In Erlangen war er schon häufig
Gast des Poetenfests. Zuletzt las er dort aus seinem Roman „Belgische Riesen“ –
2000 bei Schöffling & Co in Frankfurt erschienen. Spinnen hat sich u.a. mit
Schnitzler und Altenberg befasst, Essays und kurze, pointierte Geschichten,
„Ansichtskarten zur bundesdeutschen Wirklichkeit“ geschrieben, Preise bekommen,
wie den aspekte-Literaturpreis 1999, und zuletzt als Stadtschreiber in
Offenbach gelebt. Der Literaturkritiker Wilfried F. Schoeller nennt ihn einen
„Komiker des Oberflächenscheins“.
Georg Klein, (47) in Augsburg geboren,
lebt als Schriftsteller in Berlin und Ostfriesland. 2000 erhielt er den
Ingeborg-Bachmann-Preis, kurz zuvor den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau.
Seit der Veröffentlichung seines Debuts „Libidissi“ 1998 gilt er als „Spezialist
für Verunsicherung“ (Süddeutsche Zeitung) und als einer „der seltenen wirklich
originellen Erzähler der deutschen Gegenwartsliteratur“ (Die Zeit). „Barbar
Rosa“, eine romantische Detektivgeschichte, wurde im Frühjahr 2001 mit
Kritikerlob geradezu überschüttet – ein Roman wie eine Schlange: giftig,
gefährlich, tückisch, schnell – ein „kaltes Märchen vom Mann im Mond“ (Iris Radisch).
Stefan Willer (31), wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Zentrum für Literaturforschung in Berlin, hat eine Dissertation
über die Geschichte etymologischer Sprachspekulationen geschrieben
("Etymologische Texturen", Veröffentlichung in Vorbereitung) und sich
mit Fragen der Gegenwartsliteratur beschäftigt ("Botho Strauß zur Einführung",
Junius-Verlag Hamburg 2000). Ein Aufsatz über Georg Klein erscheint in Kürze in
den "Weimarer Beiträgen".
Eintritt: 10,00 DM / Studenten 8,00 DM
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Über das Schreiben und Erzählen im Netz, über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Literatur, über Kultur, Hierarchien und Freiheit unterhalten sich Georg Klein, Burkhard Spinnen und Walter Grond.
Lutz Hagestedt moderiert die Diskussion.
Walter Grond (44) lebt in der Wachau. Er
ist Autor mehrerer Romane, hat die Reihe „Essays“, die Zeitschriften
„Nebelhorn“, „Absolut“ und „Liqueur“ herausgegeben. Beim Haymon Verlag
Innsbruck ist im August 2001 der Essayband „Gipfelstürmer und Flachlandgeher.
Vom neuen Erzählen“ erschienen. Im Jahr zuvor erschien im gleichen Verlag der Roman
„Old Danube House“ – „eine dicht und einfühlsam geschriebene Diagnose, die den
virtuellen Charakter unseres technoiden Fortschritts ziemlich genau trifft“
(Wolfgang Smejkal). „Absolut postkolonial, absolut poppig und als Debattierer
absolut nüchtern“ (Walter Vogl) zeigt sich Grond in seinem Essayband „Der
Erzähler und der Cyberspace“, 1999 auch bei Haymon.
Lutz Hagestedt (41) Literaturkritiker (u.a.
Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau) und Literaturwissenschaftler an der
Universität Marburg, mit deutlicher Neigung zu Tieck, E.T.A. Hoffmann und Arno
Schmidt, Chefredakteur der Rezensionszeitschrift literaturkritik.de.
Eintritt: 10,00 DM / Studenten 8,00 DM
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Ein Vortrag von
Wilfried F. Schoeller
Der
Berliner Schriftsteller Martin Kessel (1901 – 1990) hat drei Romane veröffentlicht,
ein Dutzend Erzählungen, mehrere Bände mit Essays, Prosaminiaturen und
Aphorismen sowie mehrere Gedichtbände. Sein Hauptwerk „Herrn Brechers Fiasko“
von 1932 mißt sich an Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ und ist der
bedeutendste Büro-Roman in deutscher Sprache. Kessel hat für sein abseits vom
Literaturbetrieb geschriebenes Werk unter anderem den Kleist-, den Büchner- und
den Fontane-Preis erhalten. Aber er ist ein Außenseiter geblieben – der
Zuschauer apart, der Schreiben als „Mission“ des Geistes, des Vergnügens, die
Menschen zu durchschauen, der Freiheit gegenüber allen Ideologien verstand. In
diesem Jahr, da er hundert geworden wäre, sind seine beiden ausgreifenden Romane
„Herrn Brechers Fiasko“ und „Lydia Faude“ wieder erschienen – zwei ozeanische
Romane über illusionistische Existenzen, über das Denken „auf verlorenem
Posten“.
Der
Essay des Frankfurter Kritikers und Literaturwissenschaftlers Wilfried F.
Schoeller beleuchtet diesen Unbekannten aus der Generation der Horvath, Kästner,
Erik Reger und Gabriele Tergit, ermittelt Kessels Beitrag zur Alltagsmythologie
Berlins und beschreibt den Typus des Verschollenen inmitten der Medienöffentlichkeit.
Wilfried
F. Schoeller,
1941 in Illertissen/Schwaben geboren, lebt in Frankfurt a.M. Leiter der
Abteilung „Aktuelle Kultur“ im Hessischen Rundfunk/Fernsehen.
Literaturkritiker. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1990. Bücher u.a. über
Adorno, Heinrich Mann, Michail Bulgakow. Herausgeber des Gesamtwerkes von Oskar
Maria Graf. Zahlreiche Literaturfilme, Hörspiele, Ausstellungen. Professor für
Literatur des 20. Jahrhunderts, Literaturkritik und Medien an der Universität
Bremen.
Eintritt: 10,00 DM / Studenten 8,00 DM
Das
media.ART.zentrum in der Helmstraße 1, wenige Minuten vom Kollegienhaus
entfernt direkt am Marktplatz gelegen, ist während der Tagung von Montag, 1.10.
bis Mittwoch, 3.10. jeweils von 12.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. An mehreren
Rechnern besteht freier Internetzugang für E-Mails, für Demonstrationen zu den
Tagungsthemen aus den Sektionen Virtualisierung I und II – und es besteht
Zugriff auf die Online-Angebote für Germanisten, u.a. auf das
Online-Verzeichnis der Hochschulgermanistik.
Am Montag, 1.10. um 10.00 Uhr spricht Iris Dormanns im Kollegienhaus zum Thema „Hypertext-Produktion zu Harry Potter mit einer 6. Klasse“. Zwischen 13.30 und 15.00 Uhr demonstriert sie im media.ART.zentrum ihre Hypertext-Produktion und stellt sich gemeinsam mit Schülerinnen der Diskussion.
In den Seminaren,in denen die WEB-Seiten entstanden, ging es um die Verknüpfung von Lernstoffen zu den Exilthemen (Frankreich, Mexiko) mit multimedialen Präsentationsfähigkeiten und gruppendynamischen Kooperationsformen.
Margrid Bircken (Institut für Germanistik Potsdam/Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.)
media.ART.zentrum, Montag,
1.10, 15.00-16.00 Uhr
„p0es1s“
ist ein virtueller Ort für internationale neue Poesie im Bereich Multimedia und
Internet. Die Ausstellung, die von der Stiftung Brückner-Kühner, Kassel und
Refazenda, Rio de Janeiro begleitend zu einer fortlaufenden internationalen
Symposien-Reihe zusammengestellt wurde und ständig weiterentwickelt wird, führt
auf anschauliche Weise vor, wie Dichtkunst um hypermediale Möglichkeiten erweitert
werden kann: Hybrid-Texte zwischen Schrift, Bild und Klang, ausschließlich
elektronisch produziert und gespeichert, die ebenfalls nur elektronisch
verbreitet und rezipiert werden können.
Die
Ausstellung im media.ART.zentrum zeigt, neben einem Holopoem von Eduardo Kac
und digitaler Videopoesie von Eduardo de Melo e Castro und Patrick-Henri
Burgaud, Internetarbeiten von Mark Amerika, Giselle Beiguelman, Susanne
Berkenheger, Simon Biggs, Bastia Böttcher, Augusto de Campos, Florian Cramer,
Exonemo, Takaumi Furuhashi, Guido Grigat, Judd Morrissey & Lori Talley, Jim
Rosenberg, Christa Sommerer & Laurent Migonneau und André Vallias
Für
die Besucher der Ausstellung sowie für die beteiligten Künstler heißt dies
Poesie, „poesis“ im engsten Wortsinne. Probieren als ästhetische Selbsterfahrung.
Mittwoch,
3. Oktober, 20.00 Uhr - Markgrafentheater
"Dantons
Tod" spielt in der Zeit der Französischen Revolution und stellt den tragisch
scheiternden Revolutionär in den Mittelpunkt, der resignierend auf eine Veränderung
verzichtet und schließlich als Opfer der Revolution stirbt, die er selbst mit
entfacht hatte.
Regie: Winni Victor; Bühne: Werner Brenner; Kostüme: Caroline Brösamle; Danton: Stefan Drücke; Robespierre/Hérault: Stefan Gad; Mercier: Stefan Rieger; Thomas Payne: Rainer Hertwig; Lacroix/St. Just: Thomas Hagen; Chaumette/Fouquier Tinville/Legendre: Kai Günzel; Herrman/Simon/Soufleur: Rainer Hertwig; Julie, Dantons Gattin: Inge Schilling; Philippeau: Alexander Stamm; Lucile, Gattin des Camille; Marion, Grisette: Tanya Häringer; Simons Weib/ Rosalie, Grisette: Lea Schmocker; Camille Desmoulins: Denis Larisch
Mittwoch,
3.10., ab 11.00 Uhr
Es
werden kostenlose Führungen durch das Markgrafentheater mit einem Blick hinter
die Kulissen angeboten. Um 11.00 Uhr wird außerdem der Förderverein des
Theaters seinen jährlichen Förderpreis verleihen.